Bibliometrie
Wissen wird u.a. durch Publikationen repräsentiert. Publikationen sind elementarer Bestandteil wissenschaftlicher Tätigkeit. Sie sind maßgeblich für die Reputation von Wissenschaftlern verantwortlich und verkörpern das Ergebnis der Forschungsanstrengungen. Allerdings ist die Anzahl der Publikationen sehr hoch. Selbst in einer eng begrenzten Domäne wie der Mechatronik ist die Anzahl der Publikationen so hoch, dass diese von einigen wenigen Personen nicht mehr gelesen werden können. Gezielt Wissen aus der großen Informationsmenge zu ziehen ist fast unmöglich. Daher sind maschinelle Verfahren notwendig, um die Informationsmenge zu strukturieren und um Informationen zu gewinnen, mit deren Hilfe man zum Kern des gewünschten Wissens kommen kann.
Bibliometrie ist ein derartiges Verfahren. Es wertet digital vorliegende Publikationen mit Hilfe mathematischer und statistischer Methoden aus. Damit ist es möglich, Informationen aus großen Mengen systematisch zu entdecken und zu extrahieren. Das bekannteste Anwendungsgebiet der Bibliometrie ist die Auswertung von Publikationen, um Hinweise auf die Forschungsleistung (erfasst durch Publikationsanzahl, Zitationsanzahl etc.) zu erhalten.
Die Publikationsanzahl ist dafür ein Indikator und drückt rein quantitativ die Aktivität eines Autors, einer Institution etc. auf einem bestimmten Forschungsgebiet aus. Ein weiterer Indikator ist die Zitationsanzahl. Eine Zitation ist eine zitierte Publikation. Dieser Indikator beruht auf der Annahme, je häufiger eine Publikation zitiert wird, umso größer ist ihre Qualität. Hier wird also die Akzeptanz einer Publikation bzw. eines Autors, einer Institution etc. gemessen. Publikations- und Zitationsanzahl werden durch einfaches Auszählen ermittelt. Dabei wird die Publikation als Ganzes betrachtet. Der eigentliche Inhalt wird nicht berücksichtigt.
Oft ist es aber notwendig, den Inhalt der Texte und inhaltliche Zusammenhänge zwischen den Texten zu betrachten. Hierfür können die Co-Zitationsanalyse und die Co-Wortanalyse eingesetzt werden.
Die Co-Zitationsanalyse untersucht das gemeinsame Auftreten von Zitationen. Sie beruht auf folgender Annahme: Je häufiger zwei Veröffentlichungen zusammen auf den Referenzlisten dritter Publikationen aufgeführt werden, d.h. miteinander co-zitiert werden, desto wahrscheinlicher ist auch ihre inhaltliche Nähe. Eine detailliertere Analyse der Textinhalte findet aber nicht statt. Im Kontext der Mining-Verfahren eignet sich insbesondere die bibliometrische Methode der Co-Wortanalyse. Die Co-Wortanalyse untersucht das gemeinsame Auftreten von Schlagworten. Dazu werden die Inhalte von Dokumenten auf wenige Schlagworte verdichtet. Schlagworte können Fachausdrücke, Produktnamen, Autoren etc. repräsentieren. Eine Möglichkeit der Darstellung der Ergebnisse sind so genannte Wissenslandkarten.
Jeder Kreis steht für ein Schlagwort. Der Durchmesser repräsentiert die Häufigkeit der Nennung des Schlagwortes. Die Linienstärke der Verbindungen zwischen den Schlagworten steht für die relative Co-Häufigkeit. Des Weiteren werden ähnliche Subgebiete nah zusammen dargestellt. Dadurch lassen sich interdisziplinäre Beziehungen leicht erkennen.
Mit Hilfe der Wissenslandkarte und der darin abgebildeten Schlagwort-Cluster lassen sich folgende Fragen beantworten: Wer sind die herausragenden Experten? Wo liegen die Forschungsfronten und die Center of Excellence? Welche Forschungs- und Technologiefelder gewinnen an Bedeutung? In welchem Kontext wird eine bestimmte Technologie zunehmend genannt?
In dem Beispiel wird das Schlagwort AR (Augmented Reality) mit einem großen Kreis dargestellt. Das bedeutet, dass AR relativ häufig in den Publikationen genannt wird. Die verhältnismäßig breite Verbindungslinie zum Schlagwort Automobilindustrie zeigt an, dass die beiden Begriffe häufig zusammen in den Publikationen vorkommen. AR spielt also als Technologie in der Automobilindustrie bereits eine besondere Rolle. Das Schlagwort VR (Virtual Reality) liegt sehr nah an dem Begriff AR. Ihre Nähe deutet auf eine große Ähnlichkeit hin.

- Schematische Darstellung einer Wissenslandkarte mit BibTechMon
Literatur
| [GHK+06] | Gausemeier, J.; Hahn, A.; Kespohl, H. D., Seifert, L.: Vernetzte Produktentwicklung - Der erfolgreiche Weg zum Global Engineering Networking. Carl Hanser Verlag, München, 2006 |
| [NFS02] | Noll, M.; Fröhlich, D.; Schiebel, E.: Knowledge Maps of Knowledge Management Tools - Information Visualization with BibTechMonTM. In: Karagiannis, D.; Reimer, U. (eds.): PAKM 2002. LNAI 2569, Springer Verlag, Heidelberg, 2002 |
| [Raa04-o] | Van Raan, A.: Discovery of patterns of scientific and technological development and knowledge transfer. Unter: www.cwts.nl/TvR/documents/AvR-CRIS2002Paper.pdf, 27. September 2004 |


